REACH-Registrierungspflicht
Wenn du Produkte in die EU importierst und zum Verkauf anbietest – sei es über Amazon FBA oder deinen eigenen Onlineshop – kommst du an der REACH-Verordnung nicht vorbei. REACH gehört zu den strengsten Chemikalienregulierungen weltweit und betrifft nicht nur Chemikalienhersteller, sondern jeden, der Produkte in die EU einführt, die chemische Stoffe enthalten.
In zwei früheren Beiträgen haben wir dir die Grundlagen der REACH-Verordnung erklärt (Siehe hier: Teil 1 und Teil 2).
Heute gehen wir einen Schritt weiter und zwar zu einem Bereich, der für Amazon-Seller extrem wichtig ist: Die REACH-Registrierungspflicht ab 1 Tonne pro Jahr und die entscheidende Rolle des Alleinvertreters (Only Representative).
Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass sie ab einer bestimmten Menge gesetzlich verpflichtet sind, Stoffe bei der ECHA registrieren zu lassen und dass ohne die richtige Registrierung plötzlich Importstopps, Abmahnungen oder komplette Verkaufsverbote drohen können.
In diesem Beitrag erfährst du, was du beachten musst, welche Risiken bestehen und wie du dich als Hersteller oder Importeur optimal schützen kannst.
Warum REACH für dich relevant ist
Die REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) ist das zentrale EU-Regulierungssystem für Chemikalien.
Sie betrifft:
- Stoffe als solche
- Stoffe in Gemischen
- Stoffe, die aus Erzeugnissen freigesetzt werden können
Warum ist das für dich als Amazon- oder E-Commerce-Seller relevant?
Weil nahezu alle importierten Produkte irgendwelche chemischen Stoffe enthalten: Kunststoffe, Lacke und Farben, Kleber, Batterien, Metalle und Oberflächenbeschichtungen, Textilien, Elektronikkomponenten, Duftstoffe, uvm.
Sobald ein Stoff in einer Menge von 1 Tonne pro Jahr in die EU gebracht wird, greift die Registrierungspflicht.
Das gilt für:
- Brand Owner, die im Ausland produzieren
- Seller, die Produkte von Nicht-EU-Herstellern importieren
- Firmen, die Ware nach Europa liefern lassen
Selbst kleine Amazon-Brands können bereits mit wenigen Tausend Einheiten pro Jahr (z.B. mit Haushaltswaren oder Kunststoffspielzeugen) diese Schwelle erreichen.
Die Registrierungspflicht nach REACH
Die REACH-Registrierung ist nicht optional, sie ist gesetzlich verpflichtend.
Wann besteht Registrierungspflicht?
Sobald der jährliche Import oder die Herstellung eines Stoffes 1 Tonne überschreitet, muss dieser Stoff bei der ECHA registriert werden.
Das betrifft:
- Stoffe als solche (z.B. Isopropanol)
- Stoffe in Gemischen (z.B. Reinigungschemikalien, Farben)
- Stoffe, die beabsichtigt aus Erzeugnissen freigesetzt werden (z.B. Duftkerzen, Luftentfeuchter)
Wann gibt es Ausnahmen?
Bestimmte Stoffe sind von der Registrierung ausgenommen, z.B.:
- Naturstoffe (unter bestimmten Bedingungen)
- Polymere (aber die Monomere müssen ggf. registriert werden!)
- Arzneimittel
- bestimmte Zwischenprodukte
Für alle anderen Stoffe gilt: Ab 1 Tonne = Registrieren
Warum Nicht-EU-Firmen ein Problem haben
Wenn du deinen Unternehmensitz außerhalb der EU hast (z.B. in der Schweiz oder UK), stehst du vor einem grundlegenden Problem: Du kannst dich nicht selbst registrieren.
Nur Unternehmen mit Sitz in der EU/EWR dürfen REACH-Registrierungen durchführen.
Was bedeutet das für dich?
Risiko 1: Der Importeur wird automatisch registrierungspflichtig
Das kann dazu führen, dass: Logistiker abspringen, Amazon deinen Artikel blockiert oder Ware im Zoll hängenbleibt, je nachdem wer als importierendes Unternehmen auftritt.
Risiko 2: EU-Marktzugang kann entfallen
Produktsicherheit ist ohne REACH-Compliance nicht gewährleistet. Das kann ein Verkaufsverbot in der EU, eine Sperrung deiner Amazon-Listings oder Rückrufe und Bußgelder bedeuten.
Risiko 3: Chaos in der Lieferkette
Ohne klaren REACH-Status gibt es für deinen Logistikpartner keine Rechtssicherheit und damit keine stabile Lieferbeziehung.
Die Rolle des Alleinvertreters (Only Representative)
Die Lösung für Nicht-EU-Firmen heißt abseits der Gründung einer eigenen EU-Niederlassung: Alleinvertreter (Only Representative, OR).Er ist die Brücke zwischen deinem Unternehmen und der europäischen Regulierung.
Wer darf Alleinvertreter sein?
Ein Alleinvertreter muss:
- Sitz in der EU/EWR haben
- nachweisliche Fachkenntnis über Chemikalien, Stoffdaten, REACH, Sicherheitsdatenblätter haben
- vertraglich benannt sein
Warum ist das wichtig?
- Du entlastest deine Importeure / Logistiker – sie müssen keine Registrierung übernehmen.
- Du behältst die volle Kontrolle über deine Compliance.
- Du sicherst deinen EU-Marktzugang und vermeidest Sperrungen bei Amazon.
- Du kannst deine Produkte ohne Risiko über FBA oder andere Kanäle verkaufen.
Für viele nicht EU-ansässige Seller ist der OR der einzige Weg, um legal in die EU zu importieren.
Pflichten des Alleinvertreters
Ein Alleinvertreter übernimmt alle REACH-Pflichten, die sonst dein Importeur bzw. Logistiker hätte.
Das umfasst die Registrierung bei der ECHA.
Der OR erstellt:
- Stoffidentitätsprofile
- technische Dossiers
- Expositionsszenarien
- Mengenmeldungen
- Datensätze zu toxikologischen und ökotoxikologischen Eigenschaften
Erstellung & Pflege von Sicherheitsdatenblättern
Der OR muss:
- SDS in EU-Format erstellen
- aktualisieren bei neuen Daten
- sicherstellen, dass Lieferanten die SDS erhalten
Kommunikation mit Behörden
Dazu gehören:
- Rückfragen der ECHA
- Nachreichungen von Daten
- jährliche Mengenmeldungen
- Prüfungen und Audits
Mengenüberwachung
Der OR überwacht die Mengen deiner Importe und sorgt für korrekte Meldungen.
Vorteile für Seller
Die Benennung eines Only Representatives bietet klare Vorteile für dich als E-Commerce Seller mit Firmensitz außerhalb der EU.
1. Sicherer Marktzugang
Du brauchst keine eigene EU-Niederlassung, dennoch bist du vollständig REACH-konform.
2. Entlastung der Importeure
Deine Importeure / Logistikpartner müssen keine komplexen und teuren Registrierungen oder Dokumentationen übernehmen.
3. Professionelle Compliance
Ein OR ist Experte für REACH, etwas, das Logistiker fast ausnahmslos nicht leisten können.
4. Wettbewerbsvorteil
Viele Marken verlieren Marktzugang, weil sie REACH ignorieren: du nicht.
Praktische Tipps für die Umsetzung
Damit du REACH korrekt und reibungslos umsetzt, solltest du folgende Punkte beachten:
1. Wähle den richtigen Alleinvertreter
Achte darauf, dass dein OR:
- echte Fachkompetenz besitzt
- Erfahrung mit ECHA-Registrierungen hat
- Mengenmanagement professionell abwickelt
- vertraglich sauber arbeitet
- transparent kommuniziert
2. Achte auf klare Vertragsinhalte
Der Vertrag sollte regeln:
- welche Stoffe registriert werden müssen
- wer die Daten liefert
- wie die importierten Mengen überwacht werden
- wie Importeure informiert werden
- wie technische Änderungen kommuniziert werden (z.B. neue Lieferanten, neue Formulierungen)
3. Beginne frühzeitig
Die Registrierung muss vor dem Inverkehrbringen erfolgen. D.h. bevor deine Ware in der EU ankommt
Registrierungen können Monate dauern, plane also realistisch.
4. Halte deine Lieferkette sauber
Wenn du verschiedene Komponenten aus verschiedenen Ländern beziehst, achte darauf, dass du Stoffdaten für alle Bestandteile bekommst.
Fazit
Die REACH-Registrierungspflicht ab 1 Tonne pro Jahr betrifft weit mehr Unternehmen, als viele denken. Gerade Amazon-Seller stehen hier in der Verantwortung und riskieren ohne korrekte Registrierung das Aus für ihren EU-Marktzugang.
Das gilt auch für Seller mit einem Firmensitz außerhalb der EU. Mit einem professionellen Alleinvertreter kannst jedoch auch du alle REACH-Pflichten sauber, sicher und effizient abdecken. Deine Importeure bzw. Logistikpartner werden entlastet und deine Produkte bleiben dauerhaft marktfähig.
Wer hat diesen Beitrag verfasst?
In ihrer Rolle als Autorin füllt Christina die Blogsektion unserer Website mit spannenden sowie informativen Beiträgen, so dass sich unsere Leser stets bestinformiert selbstständig um die Product Compliance in Ihrem Unternehmen kümmern können.
