Die EU-Holzverordnung, Zertifizierungen und Siegel – Was gibt es zu beachten?

Inhaltsverzeichnis

EU-Holzverordnung und Holzsiegel

LinkedIn
XING
Facebook
Twitter
Telegram
WhatsApp
Email

2013 trat die EU-Holzhandelsverordnung in Kraft. Sie sollte sicherstellen, dass der Handel mit illegal geschlagenem Holz in der EU unterbunden wird. Was die Verordnung für dich als Amazon-Seller bedeutet, für welche Waren sie überhaupt gilt, welche Verpflichtungen sich daraus ergeben und welche unterschiedlichen Siegel und Zertifizierungen es für Holz und Holzprodukte gibt, erfährst du in diesem Artikel.

Was regelt die EU-Holzverordnung und für welche Waren gilt sie?

Die EU-Holzverordnung bzw. die Verordnung (EU) 995/2010 über die Verpflichtungen von Marktteilnehmern, die Holz und Holzerzeugnisse in Verkehr bringen, ist für all jene Marktteilnehmer relevant, die Holz oder Holzerzeugnisse in Verkehr bringen. Die Verordnung gilt sowohl für Holz, welches innerhalb der EU geschlagen wird als auch für Holz und Holzprodukte, die aus Drittländern eingeführt werden. Hauptziel der Verordnung ist die Eindämmung des Handels mit illegal geschlagenem Holz, das oft aus bereits gefährdeten Ökosystemen wie dem Regenwald kommt. Aus diesem Grund verbietet die EU-Holzverordnung die Einfuhr von Holz, das illegal geschlagen wurde.

Zu den wichtigen Verpflichtungen durch die Verordnung zählen außerdem die Sorgfaltspflichtregelung für Marktteilnehmer und die Aufzeichnungspflicht für Händler.

Die Verordnung umfasst beispielsweise Waren wie Brennholz, Spanplatten, Holzrahmen (z.B. für Bilder oder Spiegel), Zellstoff und Papier und Holzmöbel. Für Kartons oder Paletten, also Verpackungsmittel die ausschließlich für den Transport oder eben die Verpackung von Waren genutzt werden, gilt die Verordnung grundsätzlich nicht. Sie gilt nur dann, wenn du Kartons oder Paletten als eigenständige Produkte aus einem Nicht-EU-Land einführst, um diese dann in der EU in Verkehr zu bringen.

Wohnzimmermöbel aus Holz
Möbel aus Holz sind u.a. von der EU-Holzverordnung umfasst und daher streng reguliert

Welche Dokumente sollte mein Hersteller vorliegen haben?

Grundsätzlich brauchst du Belege der folgenden Informationen für eine Risikobewertung:

  • Beschreibung der Produkte und gängiger Name der Baumart (oder der vollständige wissenschaftliche Name)
  • Land bzw. Region, in der das Holz geschlagen wurde
  • Menge der Holzprodukte
  • Daten der Lieferanten (Name und Anschrift)
  • Nachweise dafür, dass die Holzprodukte den geltenden Vorschriften des Landes entsprechen, in denen du sie verkaufen möchtest

 

Wie du weiter oben bereits erfahren konntest, hast du einige Pflichten, was die vorliegenden Unterlagen über die Ware angeht, wenn du Holz oder Holzerzeugnisse in der EU verkaufen willst. Welche Dokumente du genau brauchst, unterscheidet sich je nach dem, woher „dein“ Holz kommt.

 

  • Aus Deutschland – Wenn du Produkte erwirbst, die sich bereits auf dem Binnenmarkt befinden, du also nicht „erstmalig Holz oder Holzerzeugnisse auf dem Binnenmarkt in Verkehr bringst“, giltst du gemäß der EU-Holzverordnung nicht als Marktteilnehmer. Du hast lediglich Verpflichtungen in Bezug auf die Rückverfolgbarkeit. Das bedeutet, dass du die Informationen über deine Zulieferer für mindestens 5 Jahre aufbewahren musst.

 

  • Aus der EU – Die EU-Holzverordnung gilt auch für Händler, die Holz oder Holzerzeugnisse verkaufen, die sich bereits in der EU befinden. Als Händler musst du benennen können, von wem du die Ware bezogen hast und, falls du die Ware an andere Händler weiterverkaufst, auch diese. Außerdem musst du deine Sorgfaltspflichten erfüllen, also sichergehen, dass es sich bei deiner Ware nicht um illegal geschlagenes Holz handelt. Die Dokumente darüber musst du für 5 Jahre aufbewahren.

 

  • Aus einem Drittland – In diesem Fall bist du dafür verantwortlich, dass das Holz aus einer legalen Herkunft stammt. Wenn du nun also Holz aus einem Drittland in die EU importierst, musst du die Sorgfaltspflichtregelung anwenden. Gemäß dieser musst du dich vergewissern, dass dein Holz nicht aus illegalem Einschlag stammt. Dokumente, die das belegen, müssen von dir auch auf Plausibilität hinsichtlich Zeitraum, Menge und Holzart und weiteren Faktoren geprüft werden.

Was für Zertifizierungen und Siegel gibt es für Holzerzeugnisse?

FSC

FSC steht für „Forest Stewardship Council”. Dieses internationale Zertifizierungssystem legt den Fokus auf nachhaltige Waldwirtschaft. Wälder und Plantagen, die eine FSC-Zertifizierung besitzen, werden nach strengen sozialen und ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet. Geprüft werden die Betriebe einmal jährlich von unabhängigen Gutachtern.

Wenn dein Unternehmen nicht FSC-zertifiziert ist, dann brauchst du eine Nutzungslizenz, die sogenannte Werbelizenz, um zertifizierte Produkte mit dem FSC-Warenzeichen bewerben zu dürfen.

Sonniger Wald
Um eines der begehrten Holzsiegel zu erhalten, muss das Holz aus kontrollierten Quellen stammen

PEFC

PEFC steht für „Programme of the Endorsement of Forest Certification Schemes“. Die PEFC ist eine der größten Waldschutzorganisationen. Ihr Siegel wird weltweit von unabhängigen Zertifizierern an Produkte aus den Sparten Papier und Holz vergeben. Um das Siegel zu erhalten, muss ein glaubwürdiger Produktkettennachweis, die sogenannte Chain of Custody, nachgewiesen werden. Damit das Siegel vergeben wird, müssen nicht nur der Wald, sondern alle Beteiligten entlang der Lieferkette PEFC-zertifiziert sein.

Blauer Engel

Der Blaue Engel ist das Umweltzeichen der deutschen Bundesregierung. Die Kriterien für die Vergabe dieses Siegels werden daher auch vom Umweltbundesamt festgelegt. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, wie stark das Produkt Klima, Böden, Wasser, Luft und Ressourcen belastet. Ziel ist es, dass Produkte umweltfreundlich und nachhaltig hergestellt werden und sie sich gut recyceln lassen. Achtung – Der Blaue Engel sagt nichts über die Qualität eines Produktes aus – nur über die Umweltkriterien!

 

Achtung – nur weil ein Produkt eines dieser Siegel oder Zertifikate trägt, heißt das nicht automatisch, dass es den Anforderungen der EU-Holzverordnung entspricht! Das FSC-System erfült nach eigenen Aussagen zwar die Anforderungen der Verordnung, es gilt aber nicht formal als Nachweis für diese. Trotzdem können bei FSC-zertifiziertem und kontrolliertem Holz die nötigen Informationen und Elemente für das Sorgfaltsplichtverfahren einfach beschafft und genutzt werden.

Amazon Programm Climate Pledge Friendly

Auch Amazon hat mit Climate Pledge Friendly und der zugehörigen Zertifizierung „Compact by Design“ ein Programm für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz eingeführt. Damit ein Produkt als CIimate Pledge Friendly verkauft werden kann, muss es entweder eine Compact by Design-Zertifizierung oder eine Dritt-Zertifizierung wie z.B. FSC vorweisen können. Die Beantragung der Qualifizierung von Produkten verursacht für Amazon-Seller keine Kosten.

Du bist Amazon FBA Händler und benötigst Unterstützung bei der Einfuhr deiner Produkte nach Deutschland oder in die EU? Dann hilft dir Tradavo auf dem Weg zu deinem marktkonformen Produkt.

Du benötigst Unterstützung?

Buche am besten direkt einen Termin für ein kostenloses Erstgespräch.

Wer hat diesen Beitrag verfasst?

Autorin | -> More Posts

In ihrer Rolle als Autorin füllt Christina die Blogsektion unserer Website mit spannenden sowie informativen Beiträgen, so dass sich unsere Leser stets bestinformiert selbstständig um die Product Compliance in Ihrem Unternehmen kümmern können.

Ähnliche Beiträge

Dein gratis Guide wartet

Abonniere jetzt unseren Newsletter...

… und erhalte neben den neuesten News aus dem Bereich der Product Compliance unseren Guide zur Verpackungslizenzierung für die EU und UK gratis dazu!