EU-Textilkennzeichnungs-Verordnung: Fakten, Pflichten und wichtige Gütesiegel

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EU-Textilkennzeichnungs-verordnung - Ein Überblick

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Du möchtest als Amazon-Seller mit dem Verkauf von Textilerzeugnissen durchstarten? Dann bist du hier genau richtig. In diesem Artikel erklären wir dir nicht nur die wichtigsten Fakten rund um die EU-Textilkennzeichnungsverordnung, die davon umfassten Produkte und deren Kennzeichnung, sondern stellen dir auch die bekanntesten Zertifizierungen und Siegel für Textilien vor.

Was ist die Textilkennzeichnungsverordnung und was regelt sie?

Im weiteren Verlaufe dieses Artikels werden wir die Textilkennzeichnungsverordnung kurz als TextilKVO bezeichnen. Sie enthält unter anderem Vorschriften über die korrekte Bezeichnung, Kennzeichnung und Etikettierung von Textilfasern und Textilerzeugnissen und über die Bestimmung der Faserzusammensetzung durch Analysen. Sie soll dem Verbraucher dabei helfen, sich ausreichend über die angebotenen Textilerzeugnisse und dabei vor allem deren Qualität und textile Zusammensetzung zu informieren.

Bekleidung
Eine korrekte Etikettierung von Textilerzeugnissen betrifft nicht nur Bekleidung

Wie werden Textilprodukte gekennzeichnet?

In den meisten Fällen erfolgt die Kennzeichnung durch das Anbringen eines Etiketts, manchmal auch durch Aufnähen, Aufsticken oder Prägen. Die Kennzeichnung muss unmittelbar auf dem Textilerzeugnis angebracht sein, wie genau, ist dabei nebensächlich. Für den Endkunden muss die Faserzusammensetzung dauerhaft, leicht lesbar, zugänglich und sichtbar sein. Die Kennzeichnung muss in der Amtssprache des Staates erfolgen, in der das Produkt verkauft wird.

Für manche Erzeugnisse reicht auch eine sog. „globale Etikettierung“. Bei dieser muss nicht jedes Erzeugnis einzeln gekennzeichnet werden, sondern eine Kennzeichnung, z.B. auf der Verpackung ist ausreichend. Eine abschließende Auflistung der entsprechenden Produkte kann im Anhang VI der EU-Verordnung gefunden werden, u.a. sind dort Putztücher, Deckchen und Taschentücher aufgelistet.

Wer ist zur Kennzeichnung der Produkte verpflichtet?

Zur Kennzeichnung ist primär derjenige verpflichtet, der das Erzeugnis erstmals auf dem europäischen Markt bereitstellt. Achtung: Wenn du als Händler ein Textilerzeugnis unter deinem Namen auf den Markt bringst, du also beispielsweise dein Etikett anbringst, oder du das bestehende Etikett veränderst, dann giltst du als Hersteller – mit den dazugehörigen Pflichten!

Auch wenn du das Etikett nicht abänderst und die Textilerzeugnisse nur wiederverkaufst, musst du sichergehen, dass die Erzeugnisse den Bestimmungen der Verordnung entsprechen. Wenn du dabei merkst, dass das nicht der Fall ist, zum Beispiel wenn die Etikettierung fehlt oder in der falschen Sprache angebracht ist, dann liegt es in deiner Verantwortung, die korrekte Kennzeichnung nachzuholen.

Die Unterlagen über die Zusammensetzung der Fasern müssen mindestens 2 Jahre aufbewahrt werden, wenn du als Hersteller oder Importeur tätig wirst. Wenn du die Ware als Händler vertreibst, dann musst du die Dokumente so lange aufbewahren, wie du deine Produkte am Markt bereitstellst.

Welche Produkte sind von der Textilkennzeichnungs-verordnung erfasst und welche nicht?

Grundsätzlich müssen all jene Erzeugnisse gekennzeichnet werden, die aus 100 % Textilfaser bestehen. Diese Pflicht gilt ab dem Moment, ab dem ein Erzeugnis auf dem europäischen Binnenmarkt bereitgestellt – also zum Vertrieb, Verbrauch oder Verwendung, angeboten wird. Die Verordnung gilt aber auch für Erzeugnisse mit einem Gewichtsanteil von Textilfasern von mindestens 80 %, also beispielsweise Hemden und Blusen, die durch Knöpfe nicht-textile Teile aufweisen.

Wie bei jeder Verordnung gibt es auch bei der TextilKVO Ausnahmen. Aus Platzgründen kann hier nur eine kleine Auswahl dargestellt werden. Alle Artikel, die nicht von der TextilKVO erfasst sind, findest du in Anhang V der Verordnung.

  • Maßgeschneiderte Erzeugnisse, die von einem Schneider auf Auftrag hergestellt werden
  • Spielzeug aus Stoff
  • Textile Teile von Schuhen
  • Textilerzeugnisse, die hauptsächlich zum Schutz und zur Sicherheit dienen (kugelsichere Westen, Schwimmwesten, bestimmte Schutzanzüge…)
  • Textilwaren für Tiere
  • Fahnen und Banner

Was für Zertifizierungen und Siegel gibt es für Textilien?

Oekotex

Standard 100 by Oeko-Tex ist eines der bekanntesten Labels für Textilien. Um es zu erhalten, werden Textilien auf Schadstofffreiheit und gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft. Die Prüfkriterien sind weltweit einheitlich und werden von unabhängigen Prüfinstituten kontrolliert.

Fairtrade

Bei Fairtrade geht es, wie der Name schon sagt, um den fairen Handel. Daher wird bei dem Fairtrade-Produkt-Siegel für Textilproduktion besonders darauf geachtet, dass das Produkt aus einer fairen Lieferkette stammt, in der auch alle Beteiligten gerecht entlohnt werden. Dafür muss zudem die ganze Lieferkette nach dem Fairtrade-Textilstandard zertifiziert sein.

Textilsiegel
Für Textilerzeugnisse existieren eine Vielzahl vertrauenswürdiger Siegel mit Fokus auf unterschiedliche Kriterien

GOTS

GOTS steht für Global Organic Textile Standard. Damit ein Produkt dieses Siegel tragen darf, muss die gesamte Herstellungskette GOTS-zertifiziert sein. Außerdem muss das Produkt zu mindestens 70 % aus biologisch erzeugten Naturfasern gemacht sein. Stoffe wie beispielsweise Formaldehyd, die Umwelt und Gesundheit schaden können, dürfen in den Textilien nicht enthalten sein. GOTS achtet aber nicht nur auf gesundheitliche Verträglichkeit, sondern auch auf den Schutz der Arbeiter, die die Produkte herstellen. Betriebe werden einmal jährlich von zugelassenen Zertifizierern kontrolliert – angekündigt, aber auch unangekündigt.

EU Ecolabel

Das EU-Ecolabel wird von allen Mitgliedsstaaten der EU anerkannt. Es wird an jene Produkte vergeben, die umweltfreundlicher und gesünder sind als andere. Der Fokus liegt dabei unter anderem auf einem geringen Einsatz von Chemikalien, Abfallvermeidung durch Recycling und einer klimafreundlichen Erzeugung, etwa durch Einsparen von Wasser- und Energieverbrauch. Die Produkte werden jedes Jahr stichprobenartig kontrolliert. Im Gegensatz zu Siegeln wie GOTS oder Fairtrade wird der soziale Aspekt der Herstellung beim EU-Ecolabel nicht umfassend berücksichtigt.

OCS (100 / Blended)

OCS steht für Organic Content Standard. Bei diesem Siegel wird überprüft, ob ein Produkt die angegebene Menge eines bestimmten Materials enthält, also ob die Kennzeichnung der Wahrheit entspricht. Die Kontrolle bezieht sich allerdings nur auf den Anteil der ökologischen Materialen in Textilien, soziale Aspekte oder die Einhaltung von Umweltstandards in der Produktion werden nicht kontrolliert.

Das Amazon Climate Pledge Friendly Programm

Amazon hat mit dem Climate Pledge Friendly und der zugehörigen Zertifizierung „Compact by Design“ ein hauseigenes Programm für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz eingeführt. Damit ein Produkt als CIimate Pledge Friendly verkauft werden kann, muss es entweder eine Compact by Design-Zertifizierung oder eine Dritt-Zertifizierung wie z.B. das Fairtrade-Siegel vorweisen können. Die Beantragung der Qualifizierung von Produkten verursacht für dich als Amazon-Seller keine Kosten.

Das waren nun die wichtigsten Informationen rund um die EU-Textilkennzeichnungsverordnung und wie relevant deren Bestimmungen für dich als Amazon-Seller sind.

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