GPSR & MSR - Produktsicherheit
Produktsicherheit ist im E-Commerce längst kein Nebenthema mehr. Wenn du auf Amazon oder über andere Online-Marktplätze verkaufst, bewegst du dich heute in einem Umfeld, das deutlich stärker reguliert ist als noch vor wenigen Jahren. Mit der GPSR (Produktsicherheitsverordnung) und der MSR (Marktüberwachungsverordnung) hat die EU klare Leitplanken gesetzt und sorgt inzwischen auch konsequent dafür, dass diese eingehalten werden.
Viele Seller merken erst dann, wie ernst die Lage ist, wenn Amazon plötzlich Dokumente anfordert oder Listings gesperrt werden. Genau deshalb lohnt es sich, jetzt genauer hinzuschauen und zu verstehen, was hinter GPSR und MSR steckt und was das konkret für dein Business bedeutet.
Warum Produktsicherheit gerade jetzt ein zentrales Thema ist
Seit Ende 2024 ist die GPSR verbindlich anzuwenden. Sie ersetzt frühere Regelungen zur allgemeinen Produktsicherheit und trägt der Realität des modernen Onlinehandels Rechnung. Produkte werden heute grenzüberschreitend verkauft, oft direkt aus Drittstaaten importiert und innerhalb kürzester Zeit an Endkunden geliefert. Genau hier setzt der Gesetzgeber an.
Ausführliche Informationen zur Produktsicherheitsverordnung (GPSR) findest du in unserem Blogbeitrag.
Für dich als Seller bzw. (Quasi-)Hersteller bedeutet das: Du bist ein aktiver Teil der Produktsicherheitskette. Gleichzeitig haben Plattformen und Behörden ihre Prüfungen deutlich verschärft.
Besonders relevant ist aktuell die Kombination aus mehreren Entwicklungen:
- Die GPSR ist verbindlich, wird aber bei vielen Sellern noch nicht vollständig umgesetzt
- Marktplätze wie Amazon verschärfen ihre internen Compliance-Prüfungen
- Marktüberwachungsbehörden kontrollieren seit 2025 intensiver, ab 2026 noch systematischer
- Neue Regelwerke wie Digital Product Passport, Ecodesign und Zollreform greifen ineinander
All das führt dazu, dass Produktsicherheit nicht mehr reaktiv, sondern strategisch gedacht werden muss. Wer vorbereitet ist, spart Zeit, Geld und Nerven.
MSR: Warum Marktüberwachung für Online-Seller so relevant ist
Die Marktüberwachungsverordnung (EU) 2019/1020 regelt, wie Produkte im EU-Binnenmarkt kontrolliert werden und zwar ausdrücklich auch im Onlinehandel. Dabei geht es nicht nur um klassische Händler vor Ort, sondern um Plattformen, Marktplätze und grenzüberschreitenden Verkauf.
Die MSR sorgt unter anderem dafür, dass:
- Onlineangebote genauso geprüft werden wie Produkte im stationären Handel
- Importware aus Drittstaaten gezielt überwacht wird
- klare Ansprechpartner in der EU benannt sein müssen
- unsichere oder nicht konforme Produkte schneller vom Markt verschwinden
In Kombination mit der GPSR entsteht ein System, in dem nicht nur das Produkt selbst, sondern auch deine Prozesse, Dokumentationen und Zuständigkeiten im Fokus stehen. Genau hier entstehen bei vielen Sellern die größten Schwachstellen.
Verschärfte Kontrollen in der Praxis: So gehen Behörden und Plattformen vor
In der Praxis zeigen sich die verschärften Kontrollen deutlich. Behörden arbeiten heute datengetrieben, oft plattformübergreifend und zunehmend automatisiert. Amazon wiederum übernimmt faktisch eine Vorabprüfung, um eigene Haftungsrisiken zu minimieren.
Typische Prüfungen drehen sich dabei um folgende Punkte:
- Konformitätserklärungen und CE-Kennzeichnung
- Sicherheits- und Warnhinweise in der richtigen Sprache
- Angaben zu Hersteller, Importeur oder EU-Bevollmächtigten
Wichtig für dich: Eine Prüfung muss nicht angekündigt werden. Häufig reicht ein automatischer Systemhinweis, eine Beschwerde oder eine Stichprobe aus, um Prozesse in Gang zu setzen. Wenn dann Unterlagen fehlen oder unklar sind, reagieren Plattformen meist sofort.
Was das konkret für Amazon- und FBA-Seller bedeutet
Amazon-Seller spüren die Auswirkungen der neuen Regulierung besonders stark. Der Marktplatz verlangt heute deutlich mehr Nachweise und greift schneller durch, wenn Unklarheiten bestehen.
Zu den häufigsten Risiken gehören:
- kurzfristige Sperrung einzelner ASINs oder ganzer Accounts
- Blockierung oder Vernichtung von FBA-Lagerbeständen
- Rückruf- und Meldepflichten über die Plattform
- Weitergabe von Informationen an Marktüberwachungsbehörden
Gerade FBA-Seller unterschätzen oft, wie schnell es kritisch werden kann. Wenn Amazon Zweifel an der Produktsicherheit hat, entscheidet der Marktplatz – nicht der Seller. Importware aus Drittstaaten steht dabei besonders im Fokus, da hier die Verantwortung häufig beim Seller liegt.
Was du jetzt konkret tun solltest
Der wichtigste Schritt ist, das Thema nicht aufzuschieben. Produktsicherheit lässt sich nicht „mal eben“ erledigen, sondern erfordert Struktur. Am Anfang steht immer eine ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Produkte verkaufst du, welche Pflichten gelten dafür und wie gut bist du aktuell aufgestellt?
Danach solltest du deine Dokumentation und Prozesse systematisch prüfen und aufbauen. Ziel ist es, im Fall einer Prüfung schnell und sauber reagieren zu können, ohne hektische Suche nach Unterlagen.
Hilfreich ist dabei eine klare Orientierung an den nächsten Schritten:
- Überblick über alle relevanten Produkte und deren Risikoprofil
- Prüfung vorhandener Sicherheits- und Konformitätsdokumente
- Identifikation von Lücken und kritischen Punkten
- Aufbau klarer Ablagestrukturen und Zuständigkeiten
Gerade bei wachsenden Sortimenten oder internationalem Verkauf stoßen manuelle Lösungen schnell an ihre Grenzen. Spätestens dann lohnt sich der Einsatz professioneller Tools oder externer Unterstützung.
Ausblick: Warum proaktive Compliance dein Wettbewerbsvorteil wird
Die regulatorische Entwicklung im E-Commerce ist eindeutig: Es wird mehr Transparenz, mehr Datenanforderungen und mehr Verantwortung für Seller geben. Themen wie der Digitale Produktpass oder neue Nachhaltigkeitsvorgaben werden Produktsicherheit weiter in den Mittelpunkt rücken.
Für dich bedeutet das aber nicht nur mehr Aufwand, sondern auch eine echte Chance. Wer frühzeitig saubere Prozesse etabliert, kann schneller skalieren, sicherer neue Produkte launchen und wirkt gegenüber Plattformen deutlich professioneller.
Fazit: GPSR & MSR ernst nehmen und strategisch nutzen
GPSR und MSR sind kein kurzfristiges Ärgernis, sondern Teil eines langfristigen Wandels im Onlinehandel. Wenn du sie ignorierst, riskierst du Sperrungen, Umsatzausfälle und rechtliche Probleme. Wenn du sie jedoch strategisch angehst, kannst du dein Business stabiler und zukunftssicher aufstellen.
Produktsicherheit wird damit zu einem festen Bestandteil erfolgreicher E-Commerce-Strategien.
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