Product Compliance für UK
Der Verkauf nach Großbritannien ist für viele Amazon Seller nach wie vor ein attraktiver Markt. Seit dem Brexit gelten dort jedoch teils andere Regeln als in der EU. Gerade bei Private Label Produkten kommt es deshalb schnell zu Unsicherheiten: Ist ein UK-Importeur erforderlich? Reicht ein UK Rep? Muss das Produkt mit CE oder UKCA gekennzeichnet werden? Und welche Unterlagen solltest du im Fall einer Amazon-Prüfung bereithalten?
In diesem Beitrag zeigen wir dir, worauf du beim Verkauf im Vereinigten Königreich wirklich achten musst und wo in der Praxis die häufigsten Fallstricke liegen.
CE / UKCA oder allgemeine Produktsicherheit: Was gilt für dein Produkt?
Zuerst musst du dein Produkt richtig einordnen. Dabei gibt es zwei grobe Kategorien:
Produkte mit CE- / UKCA-Relevanz
Dazu zählen zum Beispiel Spielzeug, Elektrogeräte, persönliche Schutzausrüstung oder Funkprodukte. Hier gelten spezifische Verordnungen und meist striktere Prüfpflichten. Wichtig: Für viele dieser Bereiche erkennt Großbritannien die CE-Kennzeichnung weiterhin unbefristet an. Ob dein Produkt davon profitiert oder doch die UKCA-Kennzeichnung braucht, erfährst du hier: UKCA-Kennzeichnung vs. CE-Kennzeichnung: Was gilt wann, für wen und warum?
„Einfache“ Produkte ohne CE- / UKCA-Pflicht
Produkte wie Textilien, Möbel, einfache Dekorationsartikel oder Küchenutensilien ohne elektrische Funktion benötigen kein CE- oder UKCA-Zeichen. Dennoch sind sie nicht „compliance-frei“. Auch hier müssen die allgemeinen Anforderungen an die Produktsicherheit sowie spezielle Vorschriften (z.B. Kennzeichnungspflichten oder Brandschutzvorgaben) erfüllt werden.
Ein wichtiges Beispiel sind hier die britischen Brandschutzvorgaben für Möbel. Wenn du in dieser Nische verkaufst, solltest du unbedingt diesen Beitrag lesen: UK Fire Safety Regulations für Möbel
UK Importeur und UK Representative: Was ist der Unterschied?
Unter Sellern herrscht oft Verwirrung über die Rollenverteilung in Großbritannien. In der Praxis müssen zwei Begriffe sauber voneinander getrennt werden:
Der UK-Importeur
Ein Importeur ist ein Wirtschaftsakteur mit Sitz im Vereinigten Königreich, der eine Ware von außerhalb (z.B. aus der EU oder China) in den britischen Markt einführt. Die Rolle des Importeurs ergibt sich aus der tatsächlichen Lieferkette.
Der UK Authorized Representative (UK Rep)
Ein UK Rep ist dagegen eine vom Hersteller schriftlich beauftragte Stelle im Vereinigten Königreich. Er übernimmt definierte Aufgaben im Namen des Herstellers (z.B. das Bereithalten technischer Unterlagen für Behörden).
Wichtig für dich als Seller:
- Ein UK Rep ist nicht automatisch ein 1:1-Ersatz für einen Importeur.
- Ob du zwingend einen Importeur oder einen Rep in deinem Setup benötigst, hängt von der jeweiligen Produktvorschrift und deinem Vertriebsweg ab.
Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Formen der Bevollmächtigung findest du hier: Bevollmächtigungen: Welche gibt es und benötige ich diese für mein Unternehmen?
Das korrekte Labeling für Amazon UK
Amazon prüft in Großbritannien ähnlich wie in der EU, ob die angebotenen Produkte den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Um Probleme bei der Freischaltung oder spätere Sperrungen zu vermeiden, sollte die Kennzeichnung auf Produkt und Verpackung von Anfang an stimmig sein.
Folgende Angaben sollten mindestens vorhanden sein:
- Herstellerangaben: Dein (Marken-)Name und eine zustellfähige Postanschrift.
- Wirtschaftsakteur in UK: Je nach Setup und Produktvorgabe müssen die Angaben eines in UK ansässigen Wirtschaftsakteurs (Importeur oder UK Rep) auf dem Produkt und der Verpackung angebracht werden.
- Produktidentifikation: Dein Produkt muss eindeutig identifizierbar sein, zum Beispiel durch eine Artikelnummer, Typenbezeichnung oder EAN. Eine Chargennummer ist nicht für alle Produkte pauschal Pflicht, kann aber je nach Kategorie erforderlich sein.
- Sprache: Warnhinweise, Sicherheitshinweise und Anleitungen müssen in gut verständlichem Englisch verfasst sein.
- Kennzeichen: CE- oder UKCA-Zeichen dürfen nur dann angebracht werden, wenn das Produkt tatsächlich unter die entsprechenden Vorschriften fällt und objektive Konformitätsnachweise (z.B. Testreports von akkreditierten Laboren) vorliegen.
Dokumentation – Was Amazon im Seller Central sehen möchte
Wenn Amazon Dokumente anfordert, musst du nachweisen können, dass dein Produkt konform ist. Je nachdem, welche Vorschriften für dein Produkt gelten, möchte Amazon unterschiedliche Unterlagen und Nachweise sehen:
Kategorie 1: Verkauf auf Basis der CE-Kennzeichnung
In den Bereichen, in denen das Vereinigte Königreich die CE-Kennzeichnung weiterhin anerkennt (z.B. Spielzeug oder Elektro), reicht in der Regel die CE-Konformitätserklärung. Wichtig ist jedoch, dass auf dieser Erklärung, sofern für dein Setup relevant, der UK Representative oder Importeur mit aufgeführt wird. Eine zusätzliche britische Konformitätserklärung ist in diesem Fall normalerweise nicht notwendig.
Kategorie 2: Verkauf auf Basis der UKCA-Kennzeichnung
Hast du dein Produkt nach britischen Standards prüfen lassen und bringst es mit dem UKCA-Zeichen in Verkehr, benötigst du zwingend eine UK Declaration of Conformity (britische Konformitätserklärung). Diese muss explizit die relevanten britischen Rechtsvorschriften (z.B. „Electrical Equipment (Safety) Regulations 2016“) nennen.
Kategorie 3: „Einfache“ Produkte ohne CE/UKCA (z.B. Möbel, Textilien, Deko)
Auch wenn für diese Produkte keine Konformitätserklärung existiert, fordert Amazon hier im Normalfall Bilder aller angebrachten Kennzeichnungen an. Damit prüft Amazon, ob die allgemeine Produktsicherheit gewährleistet ist.
Besonders kritisch ist dies, wenn dein Produkt speziellen britischen Regeln unterliegt, wie den UK Fire Safety Regulations für Möbel. Hier musst du nachweisen können, dass die vorgeschriebenen (und oft sehr spezifischen) Permanent- und Display-Labels korrekt am Produkt angebracht sind. Ohne diese Bildnachweise kann es passieren, dass das Produktlisting früher oder später gesperrt wird.
Was du grundsätzlich bereithalten solltest:
Unabhängig von der Kategorie solltest du folgende Unterlagen in deinem Archiv haben:
- Konformitätserklärungen (falls zutreffend)
- Technische Dokumentation und Prüfberichte (z.B. Entflammbarkeitstests für Möbel oder REACH-Testreports)
- Aktuelle, hochauflösende Fotos der Kennzeichnungen auf Produkt und Verpackung (als Nachweis für Amazon)
- Sicherheitsbewertungen oder Risikobewertungen
Sonderfall Nordirland
Bitte beachte: Die oben genannten Regeln gelten primär für Großbritannien (England, Schottland, Wales). Für Nordirland gelten aufgrund des Sonderstatus weiterhin viele EU-Regeln. Wenn du deine Produkte im gesamten Vereinigten Königreich anbietest, solltest du also immer prüfen, ob für Nordirland zusätzliche bzw. weniger Anforderungen bestehen.
Fazit für Private Label Seller
Wer unter eigener Marke in Großbritannien verkauft, trägt die volle Verantwortung für die Product Compliance. Ein „das macht schon mein Hersteller“ reicht oft nicht aus, da du rechtlich meist selbst in die Herstellerrolle rückst.
Um sicher auf dem UK-Markt zu agieren, solltest du:
- Prüfen, ob dein Produkt CE- / UKCA-relevant ist.
- Dein Setup aus Importeur oder Rep klären.
- Die Kennzeichnung auf Produkt und Verpackung anpassen.
- Alle notwendigen Dokumente für Rückfragen durch Amazon oder Behörden bereithalten.
So können wir von Tradavo dir helfen
Hast du Fragen zur Kennzeichnung deines Produkts oder bist du unsicher, welche Dokumente du für Amazon UK benötigst? Wir unterstützen dich gerne dabei, dein UK-Setup rechtssicher aufzubauen.
Du benötigst Unterstützung?
Wer hat diesen Beitrag verfasst?
Daniel ist als Geschäftsführer von Tradavo für die Erstellung von Prüfplänen, das Backoffice sowie für organisatorische Aufgaben verantwortlich. Er behält den Überblick über Zahlen und die Buchhaltung, damit das Team nicht den Fokus verliert.